Professionelle Identitätsbildung von Notfallsanitäter-Auszubildenden im deutschen Berufsbildungssystem: Eine Mixed-Methods-Untersuchung

Autor/innen

  • Trisha Morrissey University of Limerick
  • Mohamed Elhassan Abdalla School of Medicine, University of Limerick https://orcid.org/0000-0002-9241-1370
  • Sarah Harney School of Medicine, University of Limerick

DOI:

https://doi.org/10.25974/gjops.v3i1.66

Schlagworte:

Notfallsanitäter:innen, Berufliche Identität, Berufliche Bildung, Berufsschule, Rollenidentitätstheorie

Abstract

Hintergrund: Die Entwicklung einer beruflichen Identität (PIF) hilft Notfallsanitäter:innen, ihre Rolle, ihren Zweck und ihre Werte zu verstehen und stärkt ihre Belastbarkeit in schwierigen Arbeitsumgebungen. Notfallsanitäter: innen (NotSan) Auszubildende in Deutschland lernen im Rahmen eines dualen Berufsbildungssystems, wie sie NotSan werden. Sie stehen gerade vor besonderen Herausforderungen, beim Aufbau ihrer beruflichen Identität (PI) in diesem System, wie zum Beispiel Akademisierung, ein wachsender Tätigkeitsbereich und ein Beruf, der über die traditionellen Aufgaben der präklinischen Notfallversorgung hinausgeht.

Zweck: Die Studie untersuchte die PIF bei NotSan Auszubildenden in Deutschland. Sie zielte darauf ab, die selbstberichtete PI zu beschreiben, Ausbildungsfaktoren zu identifizieren, die ihre Entwicklung beeinflussen, und zu analysieren, wie Bildungsträger die PIF besser unterstützen können.

Methodik: Es wurde ein sequenzielles erklärendes Mixed Methods-Design verwendet. Eine Online-Umfrage unter NotSan-Auszubildenden (n = 377) umfasste demografische Fragen und eine deutsche Version der Macleod Clark Professional Identity Scale (MCPIS-9). Die quantitative Analyse umfasste deskriptive Statistiken, interne Konsistenz, ANOVA und Pearson-Korrelation. In halbstrukturierten hermeneutisch-phänomenologischen Interviews (n = 15) wurden Erfahrungen der Auszubildenden mit PIF untersucht. Es wurde eine reflektierende thematische Analyse durchgeführt, und die Integration der Daten erfolgte anhand der Role Identity Theory und der Checkliste Mixed Methods Reporting in Rehabilitation & Health Sciences (MMR-RHS).

Ergebnisse: Die Teilnehmenden berichteten von starken PI-Werten (MCPIS-9-Mittelwert 38,13/45, SD = 4,5; Bereich 18–45; Cronbachs α = 0,795). Es gab einen signifikanten Zusammenhang zwischen höheren MCPIS-9-Wer ten und längerer geplanter Beschäftigung im Rettungsdienst (F(5,371) = 12,264, p < 0,001, ω² = 0,130). Die Interviewteilnehmenden beschrieben eine ausgeprägte Wachstumsmentalität und betonten, dass Praktika im Rettungsdienst die PIF unterstützen, während Praktika im Krankenhaus häufig Verwirrung und Rollenkonflikte verursachen. Auszubildende schätzten unterstützende Mentoren im Rettungsdienst, berichteten jedoch häufig von mangelnder Anleitung und begrenztem Verständnis für die NotSan-Rolle im Krankenhaus.

Fazit: Das deutsche Berufsbildungssystem scheint die PIF bei NotSan-Auszubildenden gut zu unterstützen. Praktika im Rettungsdienst bieten Möglichkeiten zur Identitätsentwicklung, während schlecht strukturierte Klinikpraktika diese Entwicklung beeinträchtigen können. NotSan-Schulen sollten die Zusammenarbeit mit Krankenhäusern stärken, verlässliche Betreuung durch Mentoren sicherstellen und nicht-klinische Fähigkeiten sowie eine Wachstumsmentalität explizit fördern. Die Ergebnisse liefern Basisdaten für zukünftige Forschung in einer wichtigen Phase des Bildungs- und Berufsübergangs im deutschen Rettungsdienst.

Veröffentlicht

2026-03-15